Dein Partner teilt das Urlaubsalbum mit dir, du öffnest es in Immich, und unter dem Bild von der Oma steht „Unbekannt“. Nicht, weil Immich sie nicht erkennt, sondern weil die Gesichtserkennung bisher an der Kontogrenze aufgehört hat: Was du benannt hast, galt für deine Fotos, was dein Partner benannt hat, für seine. Version 3.2.0, seit dem 10-09-2026 stabil, räumt genau das auf. Sie bringt außerdem ein neues Suchfenster, einen Baukasten für die Docker-Datei und zwei Fixes mit, die auf der Liste unscheinbar aussehen und es nicht sind.

Kurz gesagt: Immich v3.2.0 erkennt Personen über Konten hinweg (Cluster-Gruppen, kostet einmalig alle Namen an Gesichtern), hat ein neu gebautes Suchfenster mit neuer Such-API darunter, einen Compose-Builder für die Docker-Datei, eine eigene Erinnerungen-Seite und Tag-Workflows. Dazu ein Fix, der externe Bibliotheken vor dem Papierkorb rettet, und einer, der dem Handy den Akku lässt. Update: Datenbank sichern, dann Image ziehen. Stand: Immich v3.2.0, geprüft am 11-09-2026.
Vergleich: Gesichtserkennung in Immich bisher pro Konto, ab 3.2.0 über Cluster-Gruppen hinweg, mit dem Reset als Preis
Cluster-Gruppen holen bekannte Gesichter in geteilte Bilder. Der Preis: einmal alles zurücksetzen.

Cluster-Gruppen: Gesichter über Konten hinweg

Bisher hatte jedes Immich-Konto seine eigene Gesichtserkennung. Zwei Konten, zwei Töpfe voller Gesichter, und die Oma musste in jedem Topf einzeln benannt werden. Mit 3.2.0 gibt es in den Freigabe-Einstellungen eines Nutzers einen neuen Abschnitt, die Cluster-Gruppe. Du lädst Leute auf derselben Instanz ein, denen du vertraust, oder trittst einer Gruppe bei, in die man dich eingeladen hat. Ab dann sortiert Immich Gesichter über alle Bilder der Gruppe hinweg in dieselben Personen, und du siehst Leute, die du schon kennst, auch in dem, was jemand mit dir teilt. Das Team erwartet obendrein eine bessere Trefferquote, weil die Erkennung mehr Gesichter zum Vergleichen hat; belegt ist das noch nicht, sie schreiben selbst „likely“.

Was nicht geteilt wird: die Namen. Immich gibt der Oma in allen Konten der Gruppe dieselbe Person, das Namensschild klebt aber weiterhin jeder für sich dran, Geburtstag ebenso. Das „noch nicht“ steht so in den Release Notes.

Der Haken steht dort fett gedruckt. Damit die gemeinsame Erkennung auch rückwirkend für alte Bilder gilt, muss die Gesichtserkennung für alle Nutzer der Gruppe zurückgesetzt werden. Danach sind Namen und Geburtstage an den erkannten Personen weg, und die neue Sortierung kann leicht von der alten abweichen. Betroffen ist nur, was das Machine Learning gefunden hat. Den Knopf dafür gibt es in den Freigabe-Einstellungen, ausdrücklich auch für Nutzer ohne Admin-Rechte. Ein Zusammenführen ohne Datenverlust, schreibt das Team, sei vielleicht später möglich; heute ist der Reset der Preis.

Ich würde es so halten: Frische Instanz oder erst eine Handvoll Leute benannt? Gruppe anlegen, zurücksetzen, fertig, der Verlust ist eine Viertelstunde Nacharbeit. Fünf Jahre Bilder mit zweihundert benannten Personen? Dann warte ich auf das Zusammenführen, das die Release Notes andeuten. Und wer allein auf seiner Instanz ist, muss gar nichts tun. Cluster-Gruppen sind für Haushalte, nicht für Einzelkonten.

Die Suche: neues Fenster, neuer Unterbau

Das Suchfenster im Browser ist neu gebaut. Ein neuer Designer im Team hat es entworfen, es kann laut Release Notes dasselbe wie vorher, sieht aber deutlich aufgeräumter aus und hat ein paar Bequemlichkeiten dazubekommen. Die Screenshots zeigen, was gemeint ist: Bilder mit einer bestimmten Person, aus den letzten 30 Tagen, an einem Ort, mit einem Tag und einem Suchwort, und darunter Kamera, Objektiv, Favoriten, Archiv und Album als Filter, alles in einem Fenster.

Der größere Umbau steckt unter der Oberfläche: eine komplett neue Such-API auf dem Server. Sie kann in Alben suchen und Filter mit UND sowie ODER verknüpfen, also „Strand und Hund“ genauso wie „Strand oder See“. Davon siehst du in der Oberfläche heute noch nichts; das Team will die neuen Möglichkeiten nach und nach ins Suchfenster holen und Drittanbieter-Werkzeuge damit versorgen. Wer eigene Skripte gegen Immich schreibt, findet die Endpunkte in der API-Doku.

Für dich heute ist die Suche ein Facelift. Für die nächsten Versionen ist sie der Unterbau, auf dem die Suche kommt, die man sich seit Jahren wünscht. Beides ehrlich gesagt: Beifall gibt es, wenn die Album-Suche im Fenster steht.

Compose-Builder: die Docker-Datei per Klick

Seit dem 02-09-2026 gibt es auf immich.app einen Compose-Builder. Du klickst zusammen, was du brauchst, etwa Hardware-Beschleunigung fürs Transkodieren oder externe Bibliotheken, und bekommst eine einzige fertige docker-compose.yml; die separate .env entfällt. Angekündigt hat das bo0tzz aus dem Team in einer GitHub-Diskussion: Die Standard-Datei verlangte bei jeder Anpassung Handarbeit an zwei Dateien, und genau da passierten die Fehler.

Was mir daran gefällt, ist der Thread darunter. Am ersten Tag wünschen sich Leute teilbare Links, einen Schalter, der Machine Learning ganz weglässt, und eine Ansicht, die zeigt, was sich gegenüber der Standard-Datei geändert hat. Bis zum 04-09-2026 waren alle drei drin. So schnell antwortet selten jemand auf Wünsche, und das gehört gesagt.

Wer Immich schon laufen hat, muss nichts umstellen; die Doku führt nach wie vor docker-compose.yml plus .env als Weg. Für den Einstieg ist der Builder die bequemere Tür, und wer gerade von Google Fotos umzieht, spart sich damit das Zusammensuchen. Lies die erzeugte Datei trotzdem einmal durch, bevor du sie startest. Was du nicht verstehst, kannst du später nicht reparieren.

Erinnerungen, Workflows, Tags und Karte

  • Erinnerungen-Seite: Bisher kamen die „Heute vor drei Jahren“-Erinnerungen oben in die Zeitleiste und verschwanden wieder. Jetzt gibt es eine eigene Seite dafür, und Erinnerungen, die du als Favorit markierst, bleiben dort dauerhaft.
  • Workflows mit Tags: Immichs eingebaute Automatisierung hat einen neuen Auslöser, „Bild wurde getaggt“. Ein Filter prüft, ob alle, einer oder keiner aus einer Liste von Tags dranhängt, und eine neue Aktion hängt selbst mehrere Tags auf einmal an. Ein Tag löst damit aus, was bisher Handarbeit war.
  • Tags umbenennen: im Browser über das Bearbeiten-Fenster. Laut Team unter der Haube komplizierter, als es aussieht, was ich sofort glaube: Ein Tag hängt an tausend Bildern.
  • Karte: Ein neuer Knopf in den Kartensteuerelementen zeigt alle Bilder im sichtbaren Ausschnitt als Zeitleiste, die beim Verschieben der Karte mitläuft.

Zwei Fixes, die man kaum sieht

Unter den rund hundert Bugfixes stecken zwei, die ich hervorheben würde. Der erste betrifft externe Bibliotheken, also Ordner, die Immich nur liest, statt sie zu importieren. In ihren Ausschlussmustern übersetzte Immich ein einzelnes Sternchen wie in /pfad/*.jpg bisher so, dass es auch über Unterordner hinweg griff. Weil Treffer des Musters als offline gelten und in den Papierkorb wandern, konnte ein eng gemeintes Muster laut Pull Request „eine ganze Bibliothek auf einen Schlag“ erwischen. Seit 3.2.0 stoppt ein Sternchen am Ordnertrenner, zwei Sternchen greifen weiter über Ordner hinweg, so wie man es von Glob-Mustern kennt.

Der zweite steckt in der Handy-App. War der Server nicht erreichbar, versuchte die App alle fünf Sekunden eine neue Verbindung, und bei jedem Wecken des Handys kam eine weitere Schleife dazu, ohne dass die alte aufhörte. Das hat den Akku geleert, vor allem bei denen, deren Server von unterwegs nicht erreichbar ist. Jetzt läuft genau eine Schleife, und sie verbindet sich sofort, wenn der Server wieder da ist.

Dazu Kleinigkeiten mit Nutzen: Bricht ein Datenbank-Backup ab, wird pg_dump jetzt beendet, statt weiter Tabellen zu sperren. API-Schlüssel lassen sich rotieren. Und wer versehentlich eine ältere Server-Version gegen eine neuere Datenbank startet, bekommt im Log den Hinweis, dass ein Downgrade der Grund ist. Am Rande: Die Doku führt Unraid nicht mehr als offizielle Installationsart; die Unraid-Seite trägt jetzt den Vermerk, dass sie ein Community-Beitrag ohne Support durch das Team ist. Für die Installation selbst ändert das nichts, für die Erwartung bei Problemen schon.

Update: Backup, Release Notes, dann Pull

Der offizielle Weg ist kurz und steht in der Doku: Release Notes lesen (gerade erledigt), Datenbank sichern, dann im Immich-Ordner docker compose pull und docker compose up -d. Wer die Version in der .env über IMMICH_VERSION festgepinnt hat, trägt dort erst v3.2.0 ein, sonst zieht Docker nichts Neues. Danach räumt docker image prune die alten Images weg. Breaking Changes nennen die Release Notes keine, und die Handy-App läuft laut Doku in der Regel mit der aktuellen und der vorherigen Major-Version des Servers; innerhalb von 3.x ändert sich für sie nichts.

Zum Backup: Immich legt selbst Datenbank-Dumps an, standardmäßig nachts um zwei, die letzten 14 bleiben, abgelegt unter UPLOAD_LOCATION/backups. Da liegen nur Metadaten drin, keine Fotos; die Bilder sicherst du getrennt, als Kopie des Upload-Ordners. Ein frischer Dump direkt vor dem Update kostet dich eine Minute im Admin-Bereich unter Job Queues. Der Backup-Tick meldet sich hier, weil die Doku noch etwas sagt: Ein Downgrade gibt es nicht, auch nicht innerhalb derselben Minor-Version. Läuft nach dem Update etwas schief, ist der Dump der einzige Weg zurück.

Updaten würde ich, und zwar wegen der beiden Fixes, nicht wegen der Cluster-Gruppen. Die dürfen in Ruhe warten, bis das Team das Zusammenführen ohne Reset liefert. Sechs Wochen nach 3.1.0 und nach drei Release Candidates ist 3.2.0 kein Sprung ins Kalte.

Bist du in einer Cluster-Gruppe, oder wartest du auf das Zusammenführen ohne Reset? Und die neue Suche: reicht dir das Facelift, oder fehlt dir die Album-Suche schon jetzt? Schreib's in die Kommentare.

Wer den Umzug zu Immich noch vor sich hat, findet die Anleitung mit immich-go im Beitrag Raus aus Google Fotos; die nächste Immich-Version kommt, sobald sie stabil ist, in den Newsletter.

Quellen