Gestern Abend um 23:40 Uhr lag Nextcloud 35 fertig auf dem Download-Server, mit Signatur und Prüfsummen. Die offizielle Vorstellung kommt erst heute um 15 Uhr im Livestream, unter dem Namen Hub 26 Summer. Und das Docker-Image, das die meisten von uns zu Hause benutzen, gibt es Stand heute Vormittag noch gar nicht. Drei Zeitpunkte für ein Release, und die erklären ganz gut, warum du heute nichts tun musst und trotzdem wissen solltest, was kommt.

Kurz gesagt: Nextcloud 35 (Hub 26 Summer) ist seit dem 15-09-2026 final. Neu: eine umgebaute Suche mit Strg+K, ein Passkey-Login ohne zweiten Faktor, eine Fotos-App mit Reisen, Karte und Diashow, dazu neue Datenbank-Werkzeuge für Admins. Die neue Freigabe-Oberfläche ist drin, aber abgeschaltet. PHP 8.2, MariaDB 10.6 und MySQL 8.0 fallen weg, Debian 12 ist damit raus. Das offizielle Docker-Image und AIO liefern heute noch 34.0.4. Ich würde auf 35.0.1 warten. Stand: Nextcloud 35.0.0, geprüft am 16-09-2026.
Checkliste vor dem Update auf Nextcloud 35: PHP 8.3, MariaDB 10.11 oder MySQL 8.4, Debian 13 oder Ubuntu 24.04; Backup zuerst, eine Hauptversion pro Sprung, Docker und AIO warten noch
Erst die Voraussetzungen, dann der Weg. Zwei der drei Stationen rechts heißen heute noch: warten.
Hub 26 Summer? Nextcloud zählt doppelt. Die Server-Software heißt Nextcloud 35, das Gesamtpaket aus Server, Apps und Clients heißt Hub 26 Summer, nach Jahr und Jahreszeit wie ein Modelljahr. Hub 26 Spring war Nextcloud 34, Hub 26 Winter war 33.

Die Suche: Strg+K, Pfeiltasten, Enter

Die auffälligste Änderung sitzt oben in der Mitte. Das Suchfeld ist in die Kopfzeile gewandert, die Kopfzeile ist flacher geworden, und die Suche verhält sich jetzt wie eine Befehlspalette: Strg+K (auf dem Mac Cmd+K) springt hinein, die Pfeiltasten wandern durch die Treffer, ohne dass der Cursor das Eingabefeld verlässt, Enter öffnet. Der erste Treffer ist vorausgewählt. Filter tauchen auf, sobald du tippst, und pro Kategorie stehen höchstens drei Ergebnisse, dahinter ein „Mehr aus …“. Das Design-Ticket dazu beginnt mit einem Satz, den man von einem Hersteller selten liest: Die Suche sei technisch beeindruckend, ihre Oberfläche habe aber „nicht annähernd so viel Liebe“ bekommen. Stimmt, und der Umbau nimmt das ernst.

Das App-Menü oben links, das mit Nextcloud 34 neu kam, öffnet sich jetzt beim Überfahren mit der Maus, mit 300 Millisekunden Verzögerung, damit es nicht bei jedem Vorbeiwischen aufklappt.

Freigaben: neu gebaut, aber noch abgeschaltet

Unter der Haube steckt in 35 ein Umbau, der jede App mit Freigaben berührt: eine gemeinsame Freigabe-Schicht, „Unified Sharing“. Bisher hatte jede App ihre eigene Vorstellung davon, was eine Freigabe ist, mit eigenem Code und eigenem Dialog. Die neue Schicht soll das vereinheitlichen, und die Seitenleiste bei Dateien bekommt dazu eine neue Ansicht: eine flache Liste aller Freigaben, sortiert nach Rechten; Gruppenfreigaben lassen sich aufklappen und zeigen die Rechte jedes einzelnen Empfängers, Löschen wandert ins Überlauf-Menü.

Nur: Du wirst davon erst einmal nichts sehen. Der Pull Request für die neue Seitenleiste sagt es selbst: Das Ganze bleibe hinter dem Schalter sharing.unified_api_enable, und der sei standardmäßig aus. Das Sammel-Ticket trägt inzwischen den Meilenstein 35.0.1 und steht auf „in Entwicklung“. Ich lese das so: Der Unterbau ist fertig und getestet, die Oberfläche kommt mit dem ersten Punkt-Release oder kurz danach. Einschalten würde ich sie zu Hause noch nicht. Ein Freigabe-Dialog ist der letzte Ort, an dem man Vorabverhalten haben will.

Passkey-Login ohne zweiten Faktor

Passkey mit Nutzerprüfung? Ein Passkey ist ein Schlüssel, der auf deinem Gerät liegt: im Handy, im Laptop, auf einem USB-Stick. Beim Login bestätigst du per Fingerabdruck, Gesicht oder PIN, dass du es bist. Diese Bestätigung heißt Nutzerprüfung. Ein Stick, der nur eine Berührung verlangt, macht keine.

Wer sich mit einem Passkey anmeldet und dabei per PIN oder Fingerabdruck bestätigt wurde, bekommt ab 35 keine zweite Abfrage mehr. Die Begründung im Pull Request ist ein Satz: Ein WebAuthn-Login mit Nutzerprüfung sei bereits ein zweiter Faktor, also keine weitere 2FA-Abfrage. Das stimmt, Besitz des Geräts plus PIN oder Biometrie sind zwei Faktoren. Ein Schlüssel ohne Nutzerprüfung muss weiter den Code eintippen. Die Änderung schließt Issue #21215, und sie ist der Komfortgewinn, der eine Zwei-Faktor-Pflicht zu Hause überhaupt erst zumutbar macht.

Fotos-App: Reisen, Karte, Diashow

Die mitgelieferte Fotos-App wurde in dieser Version fast neu gebaut. Sie ist auf Vue 3 umgezogen, und obendrauf kam in einem Rutsch: eine Suche nach Dateinamen, „Reisen“, die Bilder anhand von Lücken im Aufnahmedatum von mehr als zwei Tagen zu Trips bündelt, eine Kartenansicht in der App statt der Weiterleitung in die Maps-App, eine Diashow mit vier Sekunden pro Bild und langes Drücken zum Auswählen. In weiteren Pull Requests: ein EXIF-Editor für Datum und GPS-Koordinaten, Videovorschau beim Überfahren, ein Aktionsmenü pro Bild, die Videolänge auf der Kachel.

Der Autor schreibt selbst, jede Funktion sei „absichtlich minimal“ gehalten, damit alle zusammen ausgeliefert werden können, und listet zu jeder, was auf später verschoben ist. Die Karte zentriert etwa auf den ersten 200 Bildern. Einordnen würde ich es so: Wer seine Bilder ohnehin in Nextcloud liegen hat, bekommt endlich eine Fotos-App, die man öffnen mag. Wer Gesichtserkennung, Handy-Backup und Duplikatsuche will, bleibt bei Immich. Der Abstand ist nicht kleiner geworden, nur die Ausrede, Nextcloud Fotos sei unbenutzbar, ist weg.

Für Admins: occ db:info und der Datenbank-Doktor

Zwei Neuerungen, die niemand in einer Keynote zeigt und die mich mehr freuen als die Diashow. Erstens vier neue Konsolenbefehle: occ db:info zeigt Version und die wichtigsten Einstellungen der Datenbank samt Abgleich mit den empfohlenen Werten, occ db:size listet die Tabellen nach Platzverbrauch, occ db:index-usage findet Indizes, die nie benutzt werden, occ db:locks zeigt Transaktionen, die sich gegenseitig blockieren. Alle vier lesen nur, alle vier gibt es mit --json, für MySQL, MariaDB und PostgreSQL. Bisher brauchte man dafür phpMyAdmin oder eine Datenbank-Konsole. Jetzt reicht die Shell, in der man ohnehin steckt.

Zweitens bekommt die Monitoring-App einen dritten Reiter „Datenbank“ zwischen Status und Hintergrundjobs. Darin laufen 37 Prüfungen gegen die Datenbank-Konfiguration; die Regeln für MySQL und MariaDB stammen aus dem Advisor von phpMyAdmin. Ursprünglich waren es 57. Frank Karlitschek hat sechs Tage vor dem Release 20 davon wieder gestrichen, mit der Begründung, dass Nextcloud fehlende Indizes ohnehin in der Übersicht meldet und niemand zwei Stellen für denselben Befund braucht. Was durchfällt, bekommt einen Konfigurations-Schnipsel zum Kopieren angezeigt; geschrieben wird nichts. Das ist die richtige Richtung. Die Seite sagt dir, was an deiner MariaDB schief eingestellt ist, ohne selbst daran zu drehen.

Am Rande, für die Neugierigen: Der Server läuft in 35 erstmals unter FrankenPHP, dem in Go geschriebenen PHP-Server mit Worker-Modus. Der Pull Request warnt aber selbst, man empfehle den Wechsel noch nicht; bei Instanzen mit mehreren Nutzern sei nicht sicher, dass es keine sicherheitsrelevanten Speicherfehler gebe. Für zu Hause ändert sich damit vorerst nichts.

Außerdem im Changelog, ohne dass ich es vertieft habe: Die Text-App bekommt Kommentare im Dokument, der Aktivitäten-Stream eine Suche mit Datumsfilter, die TOTP-App lässt Admins Algorithmus und Schlüssellänge einstellen, und die Office-App wird jetzt als mitgelieferte App geführt. Der Changelog ist übrigens so lang, dass GitHub ihn nicht mehr anzeigt; er hängt als eigene Datei mit rund 2.400 Zeilen am Release.

PHP 8.2 fliegt raus: die neuen Mindestversionen

Jetzt der Teil, der entscheidet, ob du überhaupt updaten kannst. Nextcloud 35 verlangt PHP 8.3, 8.4 oder 8.5, empfohlen wird 8.5. Bei MariaDB fällt 10.6 weg, Minimum ist 10.11, neu unterstützt wird 12.3; bei MySQL fällt 8.0 weg, Minimum 8.4, neu 9.7. PostgreSQL läuft von 14 bis 18. Die Upgrade-Hinweise heben zudem die Mindestversionen der Distributionen an: Debian 13, Ubuntu 24.04. Der Grund ist derselbe wie beim PHP. Debian 12 liefert PHP 8.2 aus, und das ist ab jetzt draußen.

Für Docker-Nutzer ist das egal, das Image bringt sein PHP mit. Wer Nextcloud direkt auf einem Debian 12 installiert hat, muss vor dem Update erst das System auf Trixie heben oder PHP aus einer Fremdquelle nachrüsten. Ich würde das System heben, in Ruhe und nicht am selben Abend wie Nextcloud. Prüfen kannst du deine Versionen mit php -v und, je nach Datenbank, mariadb --version oder psql --version. Wer MySQL 9 einsetzt, muss laut Upgrade-Hinweisen einmal INSTALL COMPONENT 'file://component_classic_hashing'; auf dem Datenbankserver ausführen, weil MySQL 9 MD5 abgeschafft hat und Teile des Nextcloud-Ökosystems noch daran hängen.

Und dann ist da der Raspberry Pi. Nextcloud 35 stuft ein 32-Bit-PHP in den Setup-Prüfungen von „Warnung“ auf „Fehler“ hoch. Die Meldung sagt wörtlich, man erwarte, dass Hub 27 Winter, also Nextcloud 36, auf 32-Bit-Systemen nicht mehr läuft. Der Pull Request begründet es offen: Man behaupte zwar noch, 32 Bit zu unterstützen, in der Praxis funktioniere es nicht gut, und die Pflege blockiere Verbesserungen für die große Mehrheit auf 64 Bit. Wer einen Pi mit 32-Bit-System betreibt, hat damit noch diese eine Version Zeit für den Umzug auf ein 64-Bit-Image. Die Hardware kann das ab dem Pi 3.

Docker, AIO, Updater: wer heute noch nichts tun kann

Zurück zu den drei Zeitpunkten vom Anfang. Das offizielle Docker-Image hatte heute um 09:51 Uhr seinen letzten Bau, und latest zeigt weiterhin auf 34.0.4. Einen Tag 35 gibt es nicht, in der Versionsliste des Image-Repos steht 35.0.0 nicht, ein Pull Request dafür auch nicht. Ein docker compose pull holt dir heute also nichts Neues, und das ist in Ordnung, weil es dir auch nichts kaputt macht. Bei Nextcloud AIO, dem Rundum-Container, ist es ähnlich: Die aktuelle Version 14.1.1 bringt Nextcloud 34.0.4 mit, nur Neuinstallationen dürfen laut Release-Notes direkt 35 wählen. Bestehende AIO-Instanzen bekommen 35 mit einer späteren AIO-Version; bei 34 hieß es im Blog, der Knopf dafür komme, „sobald das Update verfügbar ist“.

Und der eingebaute Updater? Der fragt beim Update-Server nach der Version, die zu deinem Kanal passt, stable bei fast allen. Ob dir 35 schon angeboten wird, siehst du in den Einstellungen unter „Übersicht“. Wird es nicht, würde ich den Kanal nicht auf beta stellen, nur um es zu erzwingen. Der Kanal ist genau dafür da, dass du die ersten Tage nicht mitmachen musst.

Update: Backup, Reihenfolge, Apps

Wenn es so weit ist, gilt die Reihenfolge aus der Doku. Erst ein frisches Backup von Datenbank, Datenordner und config.php; die Doku sagt dazu einen Satz, den ich jedes Mal wiederhole, obwohl er nervt: Ein Downgrade wird nicht unterstützt und riskiert deine Daten. Dann eine Hauptversion pro Sprung, also von 33 erst auf 34, und vor dem Sprung auf die letzte Punkt-Version der eigenen Reihe, heute 34.0.4. Dann Drittanbieter-Apps ohne 35-Freigabe deaktivieren; beim zweiten Release Candidate berichtete ein Nutzer im Forum, nach dem Upgrade seien viele Apps abgeschaltet gewesen, obwohl es Versionen für 35 gab. Nach dem Upgrade die cron.php zwei- bis dreimal laufen lassen, damit die Hintergrund-Migrationen durch sind. Der Sammel-Thread „Frequent Nextcloud 35 update issues“ im Forum ist schon angelegt und noch leer. Lange bleibt er das selten, dafür gibt es ihn ja.

Updaten würde ich, aber nicht heute. 34.0.1 kam 16 Tage nach 34.0.0, und bei 35 wartet die Freigabe-Oberfläche laut Ticket ohnehin auf 35.0.1. Bis dahin ist das Docker-Image da, die App-Entwickler haben nachgezogen, und der Forum-Thread hat Inhalt. Für ein Homelab ist ein Major-Release am Erscheinungstag kein Gewinn. Es ist ein Wochenende.

Läuft bei dir noch ein Debian 12 mit Nextcloud drauf, und was wird es: System heben oder in den Container umziehen? Und die Fotos-App: reicht sie dir jetzt, oder bleibt Immich gesetzt? Schreib's in die Kommentare.

Wenn 35.0.1 da ist und das Docker-Image steht, kommt die Nachricht in den Newsletter. Bis dahin hilft bei einer vollgelaufenen Instanz der Beitrag zum Nextcloud-Protokoll, das sich beim Update gern noch einmal füllt.

Quellen