Anfang August hat Proxmox zum ersten Mal einen Installer für etwas anderes als x86 veröffentlicht: Proxmox VE 9.2 für 64-Bit-ARM. Seit Jahren fragt im Forum alle paar Wochen jemand, wann der eigene Raspberry Pi endlich den Hypervisor bekommt. Die Antwort steht jetzt in der offiziellen Doku, und sie lautet: dieser nicht.

Kurz gesagt: Proxmox VE 9.2 läuft jetzt offiziell auf ARM-Servern, die per UEFI booten und ihre Hardware per ACPI beschreiben. Voll unterstützt sind NVIDIA Grace und Vera, alles andere ist „best effort“. Raspberry Pi und ähnliche Boards bleiben draußen; dort hilft weiter das Community-Projekt PXVIRT.

Was Proxmox für ARM wirklich liefert

Die x86-Version 9.2 gibt es seit dem 21. Mai. Am 5. August folgte die ARM-Ausgabe, und laut der Ankündigung von Proxmox-CTO Thomas Lamprecht im Forum ist sie kein Seitenprojekt: gleicher Code, gleiche Paketquellen, gleicher Release-Rhythmus wie die x86-Builds. Drin stecken Debian 13.5, Kernel 7.0, QEMU 11.0, LXC 7.0 und ZFS 2.4, also exakt die Stände der x86-Ausgabe.

Das ist der Teil, über den ich mich freue. Ein Port, der nebenher gepflegt wird, hinkt nach zwei Releases hinterher und stirbt nach vier. Ein Port aus demselben Quellcode bekommt jeden Fix am selben Tag. Das Installer-Abbild ist 1,5 GB groß und liegt neben den anderen ISOs. Weboberfläche, Cluster, Backup und das ganze Netzwerk-Zeug sind dieselben wie auf deinem x86-Knoten.

Warum der Raspberry Pi draußen bleibt

Die Systemanforderungen sind eindeutig: Ein ARM-Host muss über UEFI booten und seine Hardware per ACPI beschreiben. Boards, die nur einen Device Tree mitbringen, nennt die Doku ausdrücklich als nicht unterstützt, mit dem Raspberry Pi als Beispiel.

ACPI oder Device Tree? Beides sagt dem Kernel, welche Hardware im Gerät steckt. ACPI ist die Beschilderung im Gebäude: Die Firmware hängt sie auf, und jedes Betriebssystem findet sich zurecht. Ein Device Tree ist ein Lageplan, den das Betriebssystem selbst mitbringen muss, und zwar genau den passenden zum Board. Server haben Schilder, Bastelboards haben Lagepläne.

Im Forum haben es trotzdem mehrere Leute versucht. Ein Nutzer meldet eine laufende Installation auf dem Pi 5 mit 8 GB als Machbarkeitsstudie, ein anderer hat auf dem Pi 4 über das Debian-Netinstall installiert und Container wie VMs zum Laufen gebracht, ein dritter nutzt die UEFI-Firmware für den Pi. Proxmox selbst sagt dazu: nicht vorgesehen. Für einen Bastelabend ist das ein Weg. Für den Fileserver der Familie ist es keiner, weil dich beim nächsten Kernel-Update niemand auffängt.

Wer den Pi weiter als Hypervisor fahren will, ist bei PXVIRT besser aufgehoben, dem Community-Port, der bis vor Kurzem Proxmox-Port hieß und wegen der Markenrechte umbenannt wurde. Rund 1.800 Sterne auf GitHub, seit Jahren gepflegt, und über lange Zeit die einzige Möglichkeit, Proxmox überhaupt auf ARM zu sehen. Das hat jemand angefangen, als der Hersteller nichts Vergleichbares hatte. Dafür gebührt ihm Dank, nicht erst seit August.

Welche ARM-Rechner laufen

Voll unterstützt, mit Enterprise-Support, sind genau zwei Plattformen: NVIDIA Grace und NVIDIA Vera. heise online rechnet vor, was das heißt: Ein GH200 kombiniert 72 CPU-Kerne mit einer H100-GPU, zieht bis zu ein Kilowatt und kostet als einfaches System ab rund 40.000 Euro. Das ist der Rechner, den Proxmox meint, wenn es „voll unterstützt“ sagt.

Alles andere läuft unter „best effort“: UEFI-Systeme mit Armv9-A oder neuer, laut Systemanforderungen reicht Armv8-A zum Testen. Best effort heißt übersetzt: Fehlerberichte willkommen, Fix nicht versprochen. Was die Forum-Berichte hergeben: Auf einem Minisforum MS-R1 läuft es laut einem Nutzer stabil, inklusive importierter ARM-VMs. Jeff Geerling hat es auf einem Ampere-Altra-Board installiert, der Installer lief durch, dafür blieb der Ubuntu-Installer in der ersten VM hängen. Auf einem Orange Pi 5 Plus mit nachgerüsteter UEFI-Firmware startet Proxmox, VMs brauchen dort laut Bericht fünf bis zehn Anläufe.

Auf die Frage nach HPE-Servern und chinesischen Herstellern schreibt Lamprecht, man sei mit einigen davon im Gespräch, und rät, beim eigenen Lieferanten Nachfrage anzumelden. Die zweite Reihe kommt also, aber ohne Datum.

Vergleich: Proxmox VE 9.2 auf ARM. Nicht unterstützt: Raspberry Pi 4 und 5, Boards ohne UEFI, Live-Migration von x86 nach ARM. Unterstützt: NVIDIA Grace und Vera voll, UEFI-Server mit ACPI und Armv8-A best effort.
Zwei Plattformen voll, der Rest auf Zuruf: So sortiert Proxmox die ARM-Welt.

Warum gerade jetzt: NVIDIA

Eine Woche vor dem ARM-Release, am 28. Juli, meldete Proxmox, dass Proxmox VE die Virtualisierungsschicht unter NVIDIA Mission Control wird, NVIDIAs Verwaltungsplattform für KI-Rechenzentren, und dafür auf Grace und Vera optimiert wird. CNX Software zieht daraus den Schluss, der Port sei hauptsächlich von NVIDIA bezahlt worden. Proxmox selbst sagt das nirgends. In der Pressemitteilung steht nur, die Validierung sei gemeinsam mit NVIDIA und Supermicro gelaufen.

Mich stört das nicht. Ein Großkunde bezahlt die Arbeit, und weil Proxmox VE Open Source ist, landet derselbe Code bei jedem, der die ISO herunterlädt. Genau so soll das laufen: Wer Geld hat, kauft Support, und alle anderen bekommen das Ergebnis trotzdem.

Was auf ARM fehlt

  • Kein SeaBIOS. VMs booten auf ARM immer über UEFI, das dort AAVMF heißt, die ARM-Ausgabe von OVMF. Eine alte VM mit BIOS-Boot müsstest du umstellen.
  • Kein AMD SEV, kein Intel GVT-g. Speicherverschlüsselung für VMs und geteilte Intel-GPUs bleiben x86-Sache.
  • Keine Microcode-Pakete. Auf x86 flicken intel-microcode und amd64-microcode die CPU per Software nach. Auf ARM gibt es dieses Paket laut Doku nicht.
  • Live-Migration nur innerhalb einer Architektur. Ein Cluster darf beide enthalten, aber eine laufende VM wandert nicht von x86 nach ARM. Offline verschieben geht, danach muss der Gast für die neue Architektur neu installiert werden.
  • Abos extra. Subscriptions für ARM gibt es getrennt von x86 und nur auf Anfrage per Mail an den Vertrieb.

Der Proxmox Backup Server für ARM ist laut heise in Vorbereitung, einen Termin nennt Proxmox nicht.

Was ich damit machen würde

Hast du schon einen ARM-Rechner mit UEFI im Regal, etwa einen Ampere-Server vom Gebrauchtmarkt oder einen MS-R1, dann probier es aus. Sichere vorher, was auf der Platte liegt, du kennst den Satz. Steht ein Neukauf an, würde ich fürs Homelab weiter zum x86-Mini-PC greifen, bis mehr als zwei Plattformen offiziell sind. ARM ist dabei nicht das Problem. Das Problem ist die Zusage: „best effort“ ist zu wenig für den Rechner, auf dem die Familienfotos liegen.

Und der Pi? Der macht weiter, was er gut kann: Pi-hole, ein paar Container, ein Monitor. Wer dafür Proxmox will, nimmt PXVIRT oder einen LXC auf dem x86-Knoten, wie in der Pi-hole-Anleitung.

Steht bei dir ARM-Hardware, auf der du Proxmox testen würdest, oder bleibt der Pi bei dir ein Bastelgerät? Und wäre dir ein „best effort“-Hypervisor fürs Homelab Zusage genug? Schreib's in die Kommentare.

Sobald Proxmox die zweite Reihe an ARM-Servern offiziell macht oder der Backup Server für ARM erscheint, steht es im Newsletter, der jeden Sonntag rausgeht.

Quellen