Proxmox auf dem Raspberry Pi — offiziell, ohne Gefrickel, ohne Community-Bastellösung? Genau das ist jetzt Realität. Mit Proxmox VE 9.2 gibt es den Hypervisor zum ersten Mal offiziell für ARM-Prozessoren (arm64). Für ein Projekt, das sonst lieber in Ruhe Dinge richtig macht, ist das ein kleiner Paukenschlag: die erste zweite Prozessor-Architektur in der Geschichte von Proxmox.
Was ist passiert?
Proxmox VE ist die Software, mit der viele von uns im Homelab virtuelle Maschinen und Container verwalten. Bisher lief sie ausschließlich auf klassischen Intel- und AMD-Prozessoren. Wer sie auf einem ARM-Gerät wollte, musste zu inoffiziellen Portierungen greifen — und bei jedem Update ein Stoßgebet sprechen.
Damit ist Schluss: Die ARM-Version von Proxmox VE 9.2 ist ein offizielles Release mit eigenem Installer-ISO und Zugang zum Enterprise-Paket-Repository. Sie basiert auf Debian 13.5 mit Linux-Kernel 7.0 und nutzt denselben Code, dieselben Werkzeuge und dieselbe Dokumentation wie die x86-Version. Kein Klon, kein Ableger — dasselbe Proxmox.
Warum ist das wichtig?
Ein Wort: Stromrechnung. ARM-Prozessoren sind sparsam — ein kleines ARM-Board nuckelt oft nur einen Bruchteil dessen aus der Steckdose, was ein ausgewachsener x86-Server zieht. Bei einem Gerät, das 24/7 läuft, rechnet sich das schnell.
Bevor du jetzt loslegst, die Fußnoten: Offiziell voll unterstützt sind zunächst NVIDIAs Server-Plattformen Grace Hopper und Vera — also Rechenzentrums-Kaliber. Für alle anderen ARM-Geräte mit UEFI-Boot (Armv8-A/Armv9-A) gibt es Best-Effort-Support: Es sollte laufen. Und wenn nicht, zuckt Proxmox freundlich mit den Schultern.
Außerdem gut zu wissen:
- Virtuelle Maschinen booten nur per UEFI
- Live-Migration geht nur zwischen Servern gleicher Architektur (ARM zu ARM — nicht ARM zu x86)
- AMD-SEV-Verschlüsselung fehlt naturgemäß
Was bedeutet das für dich?
Liegt bei dir ein Raspberry Pi 5 oder ein anderes ARM-Board mit UEFI in der Schublade? Dann hast du jetzt einen offiziellen Spielplatz: als sparsamer Zweit-Node oder kleines Test-Cluster ist das eine feine Sache. Für den produktiven Haupt-Server im Homelab würde ich vorerst bei x86 bleiben — „Best Effort" heißt eben auch: keine Garantie, dass deine exotische Hardware mitspielt.
Meine Einschätzung: Das ist ein Blick in die Zukunft. ARM wird im Server-Bereich immer wichtiger, und dass ausgerechnet das gemütliche Proxmox jetzt offiziell mitzieht, ist ein starkes Signal. Die spannende Unterstützung für kleine Boards muss noch wachsen — aber die Tür ist jetzt offiziell auf.
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