Wann hast du zuletzt in F-Droid eine App gesucht, deren Namen du nicht kanntest? Dann weißt du, wo der freie App-Laden für Android bisher hakte: Die Suche kannte nur Namen, die Kategorien waren grob, und wer „Firewall“ eintippte, hatte Glück oder nicht. Seit dem 24. September rollt F-Droid 2.0 aus. Das Team nennt es das größte Update seit zehn Jahren, und nach dem Lesen der Ankündigung halte ich das für keine Übertreibung: Die Oberfläche ist komplett neu geschrieben, und zum ersten Mal installiert F-Droid Updates von allein, ohne Root und ohne Zusatz-App.

Drei Bereiche statt fünf Reiter
Die Leiste unten hat jetzt drei Einträge: Entdecken, Suche und Meine Apps. Die Einstellungen und der Nähe-Tausch, mit dem du Apps ohne Internet von Handy zu Handy schickst, wandern in die obere Leiste. Laut Ankündigung sollen sie dort nicht mehr mit den Apps um Platz konkurrieren. Das nehme ich dem Team ab: Wie oft tauscht man Apps per Nahfunk, und wie oft sucht man eine?
Entdecken zeigt neu hinzugekommene, frisch aktualisierte und meistgeladene Apps. Die Kategorien sind feiner geworden. VPN, Firewall, Passwortmanager und Navigation haben eigene Rubriken, Spiele teilen sich in 17 Genres. Filter lassen sich kombinieren: Kategorie plus „läuft auf meinem Gerät“ plus die Anti-Features, mit denen F-Droid seit jeher Apps kennzeichnet, die zum Beispiel Werbung zeigen oder einen unfreien Dienst brauchen.
Die Suche liest jetzt Beschreibungen, Kategorien und Übersetzungen mit, nicht nur den Namen, und sie merkt sich deine letzten Suchbegriffe. Heise hebt hervor, dass F-Droid dabei ohne manipulative Algorithmen und ohne Tracking sortiert. Genau da unterscheidet sich der Laden von Google Play: Was oben steht, steht dort, weil es neu oder beliebt ist, nicht weil jemand dafür bezahlt hat.
Installieren: Android fragt jetzt vorher
Bisher lief es so: Du tippst auf Installieren, F-Droid lädt die App, und irgendwann später fragt Android, ob du wirklich willst. Wer in der Zeit weggewischt hatte, fand die Frage in den Benachrichtigungen wieder. F-Droid 2.0 nutzt eine neue Schnittstelle von Android, die Vorab-Genehmigung (Pre-Approval): Die Bestätigung kommt sofort nach dem Tippen, der Download läuft danach von allein durch. Laut F-Droid gibt es diese Schnittstelle vor allem, weil der Digital Markets Act der EU und Kartellverfahren weltweit Google dazu gedrängt haben. Ein Gesetz, das man direkt in einem Bedienfeld wiederfindet, sieht man selten.
Die zweite Änderung ist größer: Updates spielt F-Droid 2.0 ab Werk im Hintergrund ein. Bisher ging das nur mit Root oder mit der Privileged Extension, einer Zusatz-App, die man ins System einbauen musste, meist über ein Custom-ROM wie CalyxOS oder LineageOS. Die Extension wird nicht mehr unterstützt. Stattdessen nutzt F-Droid den Session-Installer von Android, der auf neueren Versionen Updates ohne Systemrechte erlaubt. Wer die Automatik nicht will, findet sie im Drei-Punkte-Menü unter Meine Apps. Dort liegt jetzt auch das manuelle Aktualisieren: Die Geste „nach unten ziehen“ scrollt nur noch, das Aktualisieren löst sie nicht mehr aus.
Ich würde die Automatik anlassen. Ein Messenger oder ein Passwortmanager mit Wochen Update-Rückstand ist das größere Risiko als ein Update, das du nicht selbst angestoßen hast. Wer mobil jedes Megabyte zählt, schaut in die Einstellungen zum Datenverbrauch; die wurden laut Ankündigung genau dafür neu sortiert.
Was wegfällt: Android 6, Tor-Automatik, Panik-Löschen
- Android 6 ist raus. F-Droid 2.0 braucht Android 7 oder neuer, weil ein Fehler in Android selbst erst dort behoben ist. Die alte Version 1.23 läuft auf Android 6 weiter, bekommt die neue Oberfläche aber nicht.
- Tor: Die automatische Erkennung ist weg. Hattest du „Tor nutzen“ aktiv, wandert die Einstellung in die allgemeinen Proxy-Einstellungen. Das Team empfiehlt künftig die App Tor VPN, die Handsteuerung über den Proxy bleibt.
- Apps verstecken: Die Funktion tarnt nur noch Icon und Namen. Das Team schreibt offen dazu, dass die App in den Systemeinstellungen sichtbar bleibt und bei einer forensischen Untersuchung gefunden wird. Das ist mir lieber als eine Tarnung, die mehr verspricht, als sie hält.
- Panik-Funktion: Der Notfall-Auslöser, der sensible Daten entfernt, bleibt. Das Löschen ganzer Apps auf Knopfdruck fehlt in 2.0 und ist laut Ankündigung für später vorgemerkt.
- Nähe-Tausch: bleibt erreichbar, sein Umbau mit besseren Verbindungswegen hat es aber nicht mehr in die erste 2.0 geschafft.
Wann F-Droid 2.0 bei dir ankommt
Das Team schreibt von einem Rollout „über die kommenden Wochen“, nach 14 Testversionen. Auf der Paketseite von F-Droid liegt 2.0.0 seit dem 23. September, dort aber noch als Vorabversion; als empfohlene Version steht weiterhin 1.23.2 vom Februar. Heißt für dich: Nicht wundern, wenn dein F-Droid heute noch alt aussieht. Wer nicht warten will, lädt die APK von der Paketseite von Hand.
Ich würde warten. Die Ankündigung sagt, das Team stuft eine Version erst dann als empfohlen ein, wenn keine schweren Fehler auftauchen, und bei einem kompletten Neubau in Kotlin und Jetpack Compose ist genau diese Sicherung wertvoll. Unabhängig geprüft wurde der Code laut F-Droid vom Security Lab des Open Technology Fund und von Convocation. Trotzdem: Dass ein Neubau am ersten Tag überall sauber läuft, glaube ich erst, wenn die Foren zwei Wochen ruhig geblieben sind.
Warum das Update mehr ist als ein neuer Anstrich
Google will ab 2027, dass sich jeder Android-Entwickler zentral registriert, mit Gebühr, Ausweis und Nachweis des eigenen Signaturschlüssels, auch wer seine App nur über F-Droid verteilt. Wer sich nicht registriert, dessen App soll auf Android-Geräten blockiert werden. F-Droid nennt das in der Kampagne Keep Android Open eine existenzielle Bedrohung; die Petition dagegen hat laut Kampagnenseite über 100.000 Unterschriften. Google hat inzwischen einen Ausweg für erfahrene Nutzer angekündigt, die Kampagne hält ihn für einen Hürdenlauf, den kaum jemand zu Ende geht. Was davon 2027 wirklich gilt, ist offen, und ich schreibe dir hier nichts, was ich nicht belegen kann.
Dass das Team in dieser Lage über ein Jahr in eine neue Oberfläche steckt, lese ich als Ansage: Wir bleiben. Offen schlägt bei mir verschlossen, und F-Droid ist der Ort, an dem du bei jeder App nachsehen kannst, was drinsteckt. Wer seine Apps ohnehin lieber selbst in der Hand hat, findet hier eine Ergänzung: Android: Passwortmanager wechseln ohne CSV-Export. Und wer wissen will, was Android selbst gerade an Schutz nachrüstet, liest Android 17: vier neue Sicherheitsfunktionen gegen Betrug.
Welche App aus F-Droid würdest du nie wieder hergeben, und gibt es die im Play Store überhaupt? Schreib's in die Kommentare.
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