Apple hat am Montag einen neuen Mac mini vorgestellt, und die Meldung hat zwei Hälften. Die erste: Drin steckt der M6, Apples erster Chip aus der 2-Nanometer-Fertigung, mit zwei Neural Engines statt einer. Die zweite: Der kleinste Mac kostet zum ersten Mal mehr als tausend Euro, ab 1.049 Euro, lieferbar ab dem 22. September.
Beim Start des M4-Modells vor zwei Jahren standen 699 Euro auf dem Schild. Apple hat den Preis in diesem Jahr schon einmal angehoben, laut heise auf 949 Euro, und legt jetzt noch einmal hundert drauf. Für dieselben 16 Gigabyte Arbeitsspeicher und dieselbe 256-Gigabyte-SSD wie 2024.
Was der M6 im Mac mini neu macht
Zwölf CPU-Kerne statt zehn, zwölf Grafikkerne statt zehn, und erstmals zwei Neural Engines mit je 16 Kernen, die macOS laut Apple automatisch gemeinsam nutzt. Gegenüber dem M4 verspricht Apple bis zu 40 Prozent mehr CPU-Leistung, doppelte Grafikleistung und bis zu viermal schnellere KI-Aufgaben. Der Arbeitsspeicher liefert bis zu 170 Gigabyte pro Sekunde, zehn Prozent mehr als beim M5.
Dazu kommen Kleinigkeiten, die im Homelab mehr wiegen als auf der Bühne. 2,5-Gigabit-Ethernet ist jetzt Serie statt Gigabit, zehn Gigabit kosten 110 Euro Aufpreis. WLAN 7 und Bluetooth 6 sind drin, hinten drei Thunderbolt-4-Anschlüsse, vorne zwei USB-C und ein Kopfhöreranschluss. Das Gehäuse bleibt bei 12,7 mal 12,7 Zentimetern und fünf Zentimetern Höhe.

Was hinter „viermal mehr KI-Leistung“ steckt
Die Zahl stammt aus Apples eigener Messung an Vorserien-Geräten mit LM Studio, einem Programm, das Sprachmodelle lokal auf dem Rechner ausführt. Dort verarbeitet der M6 einen Prompt laut Apple bis zu 4,8-mal schneller als der M4. Prompt-Verarbeitung heißt: das Einlesen deiner Eingabe, bevor die Antwort beginnt. Wie schnell die Antwort dann Wort für Wort erscheint, steht in der Mitteilung nicht, und genau darauf wartet man beim Chatten.
Unabhängige Messungen gibt es noch keine, die Geräte kommen erst am 22. September zu den Kunden. Bis dahin ist die Vier eine Herstellerangabe, kein Ergebnis. Dass Apple daneben gern den M1 stellt, 13,5-mal schneller, macht die Zahl größer, nicht die Aussage.
Warum für lokale KI der Arbeitsspeicher zählt
Ein Sprachmodell muss komplett in den Arbeitsspeicher passen, sonst läuft es nicht oder kriecht. Beim Mac mini teilen sich CPU, Grafik und Neural Engine denselben Speicher, und das ist der Grund, warum das Gerät bei Leuten mit lokalen Modellen so beliebt ist: Der Grafikspeicher ist so groß wie der RAM. Genau dort sitzt der Haken des Basismodells. 16 Gigabyte reichen für kleine Modelle, wenn macOS und der Browser nebenher noch Luft haben sollen. 32 Gigabyte kosten 440 Euro Aufpreis, dann steht der Mac mini bei 1.489 Euro. Wer 64 Gigabyte will, landet beim M5 Pro: 1.999 Euro plus 1.100 Euro für den Speicher, macht 3.099 Euro.
Ich lese Apples Zahlen so: Die Vier gilt für das Einlesen des Prompts, da helfen die zwei Neural Engines und die Rechenwerke in den Grafikkernen. Beim Antworten zählt dagegen vor allem, wie schnell der Speicher liefert, und da sind es zehn Prozent mehr als beim M5. Ob ein Modell auf dem M6 im Alltag spürbar flotter antwortet als auf einem M4, wissen wir erst nach den ersten Tests. Ich würde bis dahin nicht bestellen.
heise führt die Aufschläge auf knappe Speicherchips zurück, und das passt zu den Aufpreisen: 220 Euro für acht Gigabyte mehr RAM. Ausgerechnet das Bauteil, das für lokale KI am meisten zählt, ist das, an dem Apple am meisten verdient.
Mac mini M6 fürs Homelab: warten lohnt sich
Für ein leises Gerät, das rund um die Uhr läuft, ist der Mac mini seit Jahren eine gute Wahl, und der M6 macht ihn nicht schlechter. 2,5-Gigabit-LAN ab Werk hätte ich mir schon 2024 gewünscht. Wer aber eine Kiste für lokale Modelle plant, sollte nicht das 16-Gigabyte-Modell nehmen, sondern vorher ausrechnen, welches Modell laufen soll und wie viel Speicher es braucht. Erst dann entscheidet sich, ob 1.489 Euro für den M6 mit 32 Gigabyte gut angelegt sind oder ob ein M4 mit demselben Speicher reicht, sofern du noch einen findest.
Und wenn du am 22. September doch bestellst: Die erste Amtshandlung ist ein Time-Machine-Ziel im Netz, bevor das erste Modell heruntergeladen wird. Ja, ich weiß.
Läuft bei dir schon ein Sprachmodell auf einem Mac mini oder einem anderen Mini-PC? Mit wie viel Arbeitsspeicher, und wo wird es eng: beim Laden, beim Antworten oder beim Kontext? Und wäre dir der M6 die 1.049 Euro wert, oder wartest du auf die ersten Messungen? Schreib deine Erfahrungen in die Kommentare.
Sobald die ersten unabhängigen Tests des M6 da sind, ordne ich sie hier ein. Der Newsletter unten sagt dir Bescheid, wenn es so weit ist.
Quellen
- Apple Newsroom: Apple unveils a more powerful Mac mini featuring the all-new M6 and M5 Pro
- Apple Newsroom: Apple introduces M6 and M5 Ultra
- Apple: Mac mini, technische Daten
- heise online: Major Hardware Update: Apple Upgrades Mac mini and Mac Studio
- ComputerBase: Neuer Mac mini: M6 debütiert im kleinsten Mac für 1.049 Euro
- Macwelt: Apple sprengt beim Mac Mini M6 den Preis
- ifun.de: Mac mini mit M6: Apple erhöht Leistung und Einstiegspreis