Kennst du diese KI-Videos, die nach acht Sekunden einfach aufhören — meist genau dann, wenn es interessant wird? Google arbeitet dran: Das neue Update der Video-KI auf Gemini Omni 1.1 Flash verlängert Clips auf bis zu 40 Sekunden, hält dabei Figuren und Szenen zusammen und lässt dich erstmals genau festlegen, wie eine Einstellung beginnt und endet. Und weil Herumprobieren bisher schnell teuer wurde, gibt's jetzt einen günstigen Entwurfsmodus dazu.
Was ist passiert?
Google hat sein Video-Modell Omni, das im Mai auf der Entwicklerkonferenz Google I/O vorgestellt wurde, auf Version 1.1 Flash gehoben. Die wichtigste Neuerung ist die überarbeitete Szenenverlängerung: Beim Weiterdrehen eines Clips schaut das Modell jetzt auf die letzten 10 Sekunden des vorhandenen Materials statt wie bisher auf eine einzige Sekunde. Dieses längere „Gedächtnis“ sorgt dafür, dass Figuren, Licht und Bewegung nicht nach jedem Schnitt auseinanderlaufen. Verlängert wird in 10-Sekunden-Schritten, bis maximal 40 Sekunden am Stück.
Dazu kommen drei weitere Funktionen: Du kannst dem Modell ein Start- und ein Endbild vorgeben, und es generiert den Übergang dazwischen — praktisch für Kameraschwenks, Zooms oder Clips, die nahtlos in Schleife laufen. Als visuelle Referenz lassen sich bis zu drei Sekunden eigenes Videomaterial mitgeben, damit eine Figur oder ein Bewegungsmuster erhalten bleibt. Und ein neuer Entwurfsmodus rechnet Vorschauen in 360p — laut Google bis zu 60 Prozent schneller und zu einem Drittel der Kosten von 720p. Fertige Clips lassen sich anschließend auf 1080p oder 4K hochskalieren, also auf die vierfache Full-HD-Auflösung hochrechnen.
Verfügbar ist das Ganze ab sofort: für Entwickler über die Gemini-API (die Programmierschnittstelle) in Google AI Studio, für zahlende Google-AI-Abonnenten (Plus, Pro und Ultra) weltweit im Videotool Flow und in der Gemini-App. Bei den Preisen nennt das Fachmagazin The Decoder pro generierter Sekunde rund 3 US-Cent in 360p, 10 Cent in 720p, 15 Cent in 1080p und 30 Cent in 4K.
Warum ist das wichtig?
Video-KI war bisher vor allem ein Glücksspielautomat: Prompt rein, Hebel ziehen, hoffen. Wer eine bestimmte Kamerafahrt oder einen sauberen Anschluss zwischen zwei Szenen wollte, hat generiert, verworfen, neu generiert — und dabei zugesehen, wie der Zähler läuft. Genau da setzt dieses Update an. Start- und Endbild, Referenzclips und ein langes Kontextfenster verschieben das Werkzeug weg vom Zufallsgenerator, hin zu etwas, das sich tatsächlich steuern lässt.
Die 40 Sekunden sind dabei mehr als eine größere Zahl. Acht-Sekunden-Schnipsel taugen für Effekte und Memes; mit 40 Sekunden und stabilen Figuren werden kleine Erzähleinheiten möglich — ein Werbespot, eine Szene, ein Intro. Gleichzeitig fällt der Preis fürs Experimentieren: Ein kompletter 40-Sekunden-Entwurf in 360p kostet nach den genannten Preisen etwa 1,20 US-Dollar. Google zieht sein KI-Tempo gerade generell an — erst diese Woche ging es hier um die neue Diktierfunktion Gemini 3.5 Transcribe.
Was bedeutet das für dich?
Hast du eines der zahlenden Google-AI-Abos, kannst du die Szenenverlängerung direkt in der Gemini-App oder in Flow ausprobieren. Zum ernsthaften Basteln ist Google AI Studio der bessere Ort: Dort steuerst du das Modell über die API und kannst mit dem 360p-Entwurfsmodus günstig testen, bevor du eine finale Version in hoher Auflösung rechnen lässt. Ohne Abo bleibt dir erstmal nur das Zuschauen — oder eben AI Studio mit API-Abrechnung nach Verbrauch.
Meine Einschätzung: Der eigentliche Fortschritt ist hier nicht die Länge, sondern die Kontrolle — steuerbare Übergänge und ein brauchbares Gedächtnis bringen für die Praxis mehr als jedes Demo-Video. Die Kehrseite gehört aber auch auf den Tisch: Wenn 40 Sekunden konsistentes KI-Video nur noch Cent-Beträge kosten, wird die Flut an künstlichen Clips in deinen Feeds weiter steigen. Der Blick auf die Kennzeichnung wird damit wichtiger, nicht unwichtiger.
Wie hältst du's mit KI-Videos — spielst du selbst damit herum, oder nervt dich der KI-Anteil in deinem Feed längst? Und wo ziehst du die Grenze: kreatives Werkzeug oder Content-Schleuder? Schreib's in die Kommentare.
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