Gefühlt bekommt gerade jede Software einen KI-Assistenten eingebaut, ob du ihn willst oder nicht. LibreOffice geht den umgekehrten Weg: Version 26.8 ist frisch erschienen, bringt eine Menge Feinschliff mit — und die Document Foundation schreibt ganz offiziell ins Announcement, dass generative KI absichtlich fehlt. Das ist kein Versäumnis. Das ist ein Statement.

Was ist passiert?
Am 26. August hat die Document Foundation — die Stiftung hinter dem freien Office-Paket — LibreOffice 26.8 veröffentlicht. 206 Menschen haben an der Version mitgearbeitet, 155 davon ehrenamtlich. Das Ergebnis kannst du dir wie immer gratis holen, ganz ohne Konto oder Abo.
Die auffälligste Neuerung steckt in der Textverarbeitung Writer und nennt sich „Paragraph Composer": Beim Blocksatz berechnet Writer den Umbruch jetzt über mehrere Zeilen hinweg statt Zeile für Zeile. Klingt unspektakulär, sorgt aber für gleichmäßige Wortabstände, wie man sie sonst nur aus professionellem Schriftsatz kennt. Dazu kommen variable OpenType-Schriften — eine einzige Schriftdatei, bei der sich Strichstärke und Laufweite stufenlos verstellen lassen — und eine neue Entwurfsansicht, die Kopfzeilen, Fußzeilen und Ränder ausblendet, wenn du einfach nur schreiben willst.
Auch der Rest der Suite bekommt Zuwachs: Die Tabellenkalkulation Calc beherrscht jetzt berechnete Felder in Pivot-Tabellen, also eigene Kennzahlen, ohne dass du die Quelldaten anfassen musst. Impress erlaubt unterschiedliche Foliengrößen in einer Präsentation. Und wer Dateien mit Microsoft-Office-Nutzern austauscht, profitiert davon, dass neuere Excel-Diagrammtypen wie Wasserfall oder Treemap das Öffnen und Speichern jetzt unbeschadet überstehen — anzeigen kann LibreOffice sie zwar noch nicht, aber es macht sie auch nicht mehr kaputt. Obendrauf öffnen große Dokumente mit vielen Bildern spürbar schneller.
Warum ist das wichtig?
Wegen eines Absatzes, den man 2026 in Release-Ankündigungen selten liest. Sinngemäß übersetzt: LibreOffice 26.8 enthält keine generativen KI-Funktionen, Dokumente werden nicht zur Verarbeitung an entfernte Dienste übertragen, und kein Teil der Suite braucht Netzwerkzugriff, um zu funktionieren.
Das ist keine Technik-Nostalgie, sondern ein Argument. Wer mit vertraulichen oder personenbezogenen Daten arbeitet — Firmen, Behörden, Arztpraxen, Kanzleien — muss wissen, wohin diese Daten fließen. Die Document Foundation formuliert es ziemlich trocken: Die einzige Zusicherung, die eine Datenschutz-Prüfung übersteht, ist die, dass Daten die Maschine gar nicht erst verlassen. Bei Office-Paketen mit eingebauter Cloud-KI kannst du genau das von außen kaum kontrollieren.
Dass gesunde Skepsis gegenüber KI-Diensten gerade nicht übertrieben ist, zeigt nebenbei unser Beitrag zum Hugging-Face-Hack durch 688 KI-Agenten von dieser Woche. Je mehr Dienste deine Daten anfassen, desto größer die Angriffsfläche.
Was bedeutet das für dich?
Wenn du LibreOffice schon nutzt oder es ausprobieren willst: Die 26.8 gibt es auf der offiziellen Download-Seite für alle drei Plattformen. Zwei Dinge solltest du wissen:
- Die Gentium-Schriften sind nicht mehr im Paket enthalten — falls deine Dokumente sie verwenden, musst du sie einmalig nachinstallieren.
- Für Produktivumgebungen empfiehlt die Foundation selbst den stabileren 26.2-Zweig, der noch bis Ende November gepflegt wird. Die 26.8 ist die Version für alle, die die neuen Funktionen sofort wollen und mit frühen Wehwehchen leben können.
Ubuntu-Nutzer bekommen die neue Version übrigens mit dem Oktober-Release 26.10 frei Haus, Flatpak und Snap gibt es schon jetzt.
Meine Einschätzung: Der KI-Verzicht ist klug — nicht, weil KI im Office nutzlos wäre, sondern weil LibreOffice damit eine Lücke besetzt, die die großen Anbieter freiwillig geräumt haben. Ein Office, das nachweislich offline funktioniert und nichts nach Hause funkt, ist für viele Umgebungen schlicht die einzige Option, die durch die Prüfung kommt. Und dass die Typografie-Baustellen nach Jahren angegangen werden, macht das Paket auch für alle attraktiv, die einfach nur schöne Dokumente wollen.
Und wie sieht's bei dir aus: Ist ein KI-Assistent im Office-Paket für dich ein Kaufargument oder ein Kündigungsgrund? Vielleicht nutzt du ja beides — LibreOffice für Sensibles, KI-Tools für den Rest. Oder scheitert der Umstieg bei dir bisher an der Word-Kompatibilität? Erzähl's mir in den Kommentaren.
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